VERSCHIEDENE ARTEN VON COLLAGEN

        VERSCHIEDENE ARTEN VON COLLAGEN

Liest man die Beipackzettel von Kosmetika, findet man dort oft verschiedene Bezeichnungen für Collagen, z. B. RinderCOLLAGEN, SchweineCOLLAGEN, pflanzliches oder hydrolisiertes COLLAGEN u. ä. Diese Begriffe geben uns jedoch keine Auskunft über dieses für uns so wichtige Protein. Nachstehend finden Sie einige Informationen dazu.

 

 

HYDROLISIERTES COLLAGEN

 

Hydrolisiertes Collagen ist nichts anderes als Gelatine. Es entsteht im Ergebnis einer thermischen Zerstörung der Vernetzungs- und Peptidbindungen der Collagenproteine. Das Hydrolisat ist eine Mischung aus Fragmenten mit verschiedenem Gewicht, hat aber immer eine kleinere Molekülmasse als das native COLLAGEN. Da man bei der Herstellung von Gelatine nicht auf die zarte Struktur des COLLAGENs zu achten braucht, wird der Rohstoff durch Einwirkung von starken Säuren und Basen vorbehandelt. Das heißt also, dass die Herstellungsbedingungen des Hydrolisats wesentlich drastischer sind und die Ausnutzung eines breiteren Spektrums von COLLAGENhaltigen Rohstoffen, wie z. B. Knochen, ermöglichen. Aufgrund der großen Menge dieses billigen Rohstoffes ist das hydrolisierte COLLAGEN das preisgünstigste COLLAGENderivat und findet eine breite Anwendung in der Produktion von Lebensmitteln als Zusatz, das eine entsprechende Textur verleiht, oder als „Verdickungsmittel”. Das hydrolisierte COLLAGEN wird auch häufig von Herstellern billigerer Kosmetika als ein - leider nicht vollwertiges - Substitut des nativen COLLAGENproteins eingesetzt.

 

 

TIERCOLLAGEN

 

Collagen ist eine Gruppe der wichtigsten Proteine von tierischen Organismen. Zu dieser Familie zählen heute mehr als 20 Proteintypen, die sich durch Bau, Eigenschaften, Lokalisierung im Gewebe und die realisierten Funktionen unterscheiden. Diese Proteine bilden den Großteil des Bindegewebes, aus dem u. a. die Haut, Knorpel und Knochen, aber auch alle wichtigen inneren Organe gebaut sind. COLLAGENproteine weisen bei verschiedenen Gattungen unwesentliche Unterschiede auf, die jedoch einen großen Einfluss auf die Eigenschaften dieses Eiweißes haben. Das COLLAGEN höherer Wirbeltiere ist gewöhnlich mehr vernetzt und besitzt eine höhere Denaturierungstemperatur. Darüber hinaus entstehen in den Organismen dieser Tiere (in vivo) während der Alterung des COLLAGENs inner- und zwischenmolekulare kovalente Quervernetzungen, deren Aufgabe es ist, die Stabilität der COLLAGENfasern zu erhöhen. Mit wachsender Anzahl dieser Bindungen erhöht sich die Dichte und Festigkeit des COLLAGENs, dafür aber vermindert sich seine Löslichkeit. Eine solche Vernetzung des COLLAGENs hat einen ungünstigen Einfluss auf das Aussehen unserer Haut, welche ihre Elastizität und Straffheit verliert. Das COLLAGEN in den Fischhäuten ist deutlich weniger vernetzt als in den Rinder- und Schweinehäuten, deshalb ist seine Löslichkeit wesentlich größer. Die größere „Löslichkeit“ der Fischhäute erlaubt es auch (dank Anwendung eines sehr schonenden Verfahrens zur Gewinnung dieses Proteins unter konservativen Bedingungen), das COLLAGEN im Endprodukt – dem COLLAGEN-Gel – in nativer Form zu belassen. Die Gewinnung des COLLAGENs aus Schweine- und Rinderhäuten erfordert eine sehr aggressive chemische und/oder enzymatische Behandlung, die eine erhebliche Degradierung dieses Proteins bewirkt. Darüber hinaus kann Rindereiweiß Träger von Prionen sein. Prione sind potentiell infektiöse Proteine, die bei den meisten höheren Tierarten (Säugetiere, Reptilien und Amphibien) allgemein vorkommen und so lange ungefährlich sind, bis ihre natürliche Konformation nicht verändert wird, andernfalls werden sie zu einem infektiösen Prion-Protein. Infektiöse Prione rufen tödliche Krankheiten des Nervensystems bei Tieren und Menschen hervor, wie z. B. BSE oder die Creutzfeld-Jacob-Krankheit. Fische dagegen sind niedere Organismen, und es wurde bis heute nicht nachgewiesen, dass sie die Fähigkeit zur Bildung von Prion-Proteinen haben.

 

 

PFLANZLICHES COLLAGEN (PHYTOCOLLAGEN)

 

Als pflanzliches Collagen werden meistens Polysaccharide pflanzlicher Herkunft bezeichnet, die auf der Haut den Effekt eines Schutzfilms und Adstringents ähnlich wie das TierCOLLAGEN bewirken. Diese Verbindungen haben jedoch keine so umfassende Wirkung wie das COLLAGEN. In diesem Fall handelt es sich vielmehr um einen Gedankensprung und einen Marketing-Trick. Das COLLAGEN ist nämlich ein Protein, das ausschließlich durch Tiere produziert wird. Eine spezifische Eigenschaft des COLLAGENs ist das Vorkommen von zwei Aminosäuren – Hydroxyprolin und Hydroxylysin, die fast nur in diesem Protein zu finden sind. Es gibt zwar ein pflanzliches Protein - Extensin, das Hydroxyprolin enthält, jedoch hat dieses Protein eine völlig andere Struktur als das COLLAGEN. Trotz des Vorkommens der essentiellen Aminosäure, d.h. des Hydroxyprolins, das die Hautfeuchtigkeit erhöht, ist die Wirkung dieses Proteins ähnlich, aber nicht identisch wie die des COLLAGENs. Aus diesem Grunde kann es das COLLAGEN nicht ersetzen.

 

 

MIKROCOLLAGEN

 

Mit MikroCOLLAGEN werden meistens kleine Proteinteilchen (Oligopeptide) gemeint, die Fragmente des natürlichen COLLAGENs nachahmen. Diese Teilchen haben einen Einfluss auf die Produktion des COLLAGENs und anderer Elemente der Lederhaut. Das MikroCOLLAGEN wird in biotechnologischen Labors hergestellt und durch Zugabe von Fettteilchen modifiziert, die seine Stabilität erhöhen und ihm das Durchdringen der Oberhautbarriere erleichtern.

 

 

LYOPHILISIERTES COLLAGEN

 

Lyophilisierung (Gefriertrocknung) ist eines der Verfahren zur Gewinnung von getrockneten Produkten. Es beruht auf der Sublimationstrocknung und erfolgt bei Temperaturen unter 0 Grad Celsius bei sehr reduziertem Druck. Dieses Verfahren wird zur Trocknung von besonders empfindlichen Verbindungen und Substanzen, insbesondere solchen, die nicht hitzebeständig sind, angewandt. Infolge dieses Prozesses behalten die aktiven Substanzen ihre Wirkung, und hochwertige Verbindungen wie z. B. Vitamine, Proteine, Enzyme, Mineralstoffe etc., werden nicht zerstört. Lyophilisierte Präparate enthalten nur Spuren von Wasser und benötigen keine Konservierung. Nach der Lyophilisierung kann das Präparat wieder problemlos rehydriert werden, ohne dass dabei organoleptische oder biologische Eigenschaften verloren gehen.

Diese Art von COLLAGEN wird meistens in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt, vor allem solchen, die zur Regenerierung der Haut, Knochen und Knorpeln bestimmt sind. Das lyophilisierte COLLAGEN findet auch Anwendung in der Produktion von Gesichtsmasken sowie COLLAGEN-Pads und -Verbänden. All diese Präparate sind gewöhnlich sehr teuer, was auf die hohen Aufwendungen und Kosten der Gefriertrocknung zurückzuführen ist.

 

Collagen